Die Geschichte des Deutschen Bauernkalenders

Bauernkalender gibt es seit Jahrhunderten. Die Grundidee bestand darin, der Landbevölkerung, die nicht lesen konnte, Wissen anschaulich zu vermitteln. Daraus entwickelten sich über die Zeit Bauernkalender, die vor allem Wetter-, Aussaat- und Ernteregeln kommunizierten.
2005 entstand die Idee eines ganz anderen Bauernkalenders – zuerst in der Schweiz. Er sollte das Landleben von seiner modernen Seite zeigen und das Image der Landjugend verbessern. So gelangte die Erotik in den Bauernkalender.
Zu lange waren die Bäuerinnen und Bauern als stolze Berufsgruppe vernachlässigt worden. Doch was würden wir ohne sie tun? Ihre Arbeit dient unserer Ernährung, sie bestimmen das Gesicht unserer Landschaft und bieten uns Raum zur Erholung und für spannende Entdeckungen.

Für ein besseres Image
Dennoch wurde die Landbevölkerung lange Zeit als „Hinterwäldler“ verspottet, galten die Menschen als simple Charaktere. Dass Bauern und Bäuerinnen tatsächlich Unternehmer sind, mit betriebswirtschaftlicher Vorbildung und immer häufiger auch mit einem Agrarstudium, dass sie landwirtschaftliche Betriebe managen und dabei Verantwortung für Arbeitsplätze und gesunde Nahrungsmittel tragen, wird dabei oft vergessen. Es war also an der Zeit, etwas zur Imageverbesserung beizutragen.
2010 dann der Sprung nach Deutschland: Der Präsident des Bremischen Landwirtschaftsverbandes, Hinrich Bavendam, zeigte sich progressiv. Er war der erste Landespräsident, der sich an der Juryarbeit beteiligt und unermüdlich für den Deutschen Bauernkalender Mund-zu-Mund-Propaganda im Bauernverband machte. Der Zuspruch anderer landwirtschaftlicher Institutionen, von Verbänden und Sponsoren, folgte.
Erstmals erschien dort für 2011 ein Deutscher Bauernkalender. Das Prinzip: Authentische Bäuerinnen, Landwirtinnen und junge Landfrauen zeigen sich in leicht erotischen Posen – nie ganz nackt und somit immer jugendfrei. 2012 folgte nach dem Erfolg des Vorjahres bereits die zweite Ausgabe. Mit einer Auflage von 9999 Stück war der Kalender auch diesmal bis zum Jahresende ausverkauft.
Der Zuspruch für den Deutschen Bauernkalender ist unter der jungen Landbevölkerung sehr groß. Hunderte Bewerbungen waren aus nahezu allen Bundesländern eingegangen. Und auch die Medien zeigen reges Interesse. Nahezu jeder Fernsehsender hat berichtet und auch die Tageszeitungen und Online-Medien begleiten das Projekt.

Neues Konzept: Alpengirls und Alpenboys
Inzwischen haben wir unser Konzept angepasst. Neu können sich sowohl Bauern und Bäuerinnen als auch Nicht-Bäuerinnen und Nicht-Bauern melden, sofern sie damit einverstanden sind, in einer landwirtschaftlichen Umgebung fotografiert zu werden. Und so kam es dann auch gleich zu einer Namensänderung: Alpengirls beziehungsweise Alpenboys.
Drei Gründe mag es für das große Medieninteresse geben: Der Kalender bricht mit dem Tabu der bodenstämmigen Bauern, zudem ist die Landbevölkerung eine romantische Projektionsfläche für eine lange vernachlässigte Gruppe, und letztlich bedient der Kalender Sehnsüchte nach einer heilen Welt.

Keine Subventionen
Anders als in Österreich, wo der dortige Jungbauernkalender vom mächtigen Bauernbund getragen wird, sind der Alpengirls- und Alpenboyskalender das private Risikoprodukt eines Kleinverlages, das ohne Subventionen und Steuergelder auskommt.
Im Gegenteil: Zwei Kinderorganisationen, die Stiftung für Landwirtschaft und Behinderte sowie Terre des Hommes, haben bisher vom profitiert. Aus den Verkaufserlösen des Kalenders hat der Verlag Spendengelder überwiesen.

Lob der Experten
Das Lob der bäuerlichen Fachwelt fällt eindeutig aus: „Die Bauernschaft leidet immer noch unter dem Vorurteil, dass sie eher konservativ und verklemmt ist“, stellte jüngst der stellvertretende Direktor eines Bauernverbandes fest. Und er betonte: „Da finden wir es gar nicht so schlecht, dass es dazu ein Gegengewicht gibt.“ In der Realität sei das Landvolk nun mal eher aufgeschlossen, innovativ und zeitweise sogar sehr unorthodox, so der Experte.

Presseartikel 2013